stadtstadtstadt


the city and you – die virtuelle stadt teil 4 URBAN UNITS
19. August 2011, 05:18
Filed under: themenwoche


das vierte und vorerst letzte beispiel soll ein künstlerkollektiv vorstellen, das sich schon früh mit neuen medien und städtischen themen auseinandergesetzt hat: urban units. das kollektiv um malte steiner von block 4 aus hamburg und karsten michael drohsel von u.a. stadtstadtstadt und urbanophil aus berlin war mehrmaliger teilnehmer des hamburger architektursommers und im rahmenprogramm der transmediale. gemeinsame grundlage war eine kritische auseinandersetzung mit identität, sicherheitskonzepten im öffentlichen raum, un-orten und virtuellen spaces. vor erarbeitung eines konzepts wurde immer eine fragestellung entwickelt und daraus projekte abgeleitet.

eine der ersten arbeiten, die erstaunlicherweise in belgrad großen anklang fand, ist die arbeit „home – mobile home – artificial home“ in der die fragestellung nach dem begriff heimat und identität im mittelpunkt stand. es sollte erörtert werden, ob das gefühl von heimat künstlich erzeugt werden kann. zu diesem zweck wurde eine durch die umgebende bebauung entstandene verschnittfläche in berlin durch verschiedene künstler mit unterschiedlichen medien untersucht und die gewonnenen daten in einen virtuellen space eingespeist. über sensorplatten am boden und an den wänden konnten die besucher experimentieren und sich auf der ihnen fremden berliner fläche heimisch einrichten.

trotz des gebauten environments bleibt der hauptteil der arbeit im theoretischen. der umgang mit dem begriff heimat ist in deutschland vor allem geprägt durch die instrumentalisierung im dritten reich und lässt eine seriöse auswertung des erfolgs der fragestellung offen. vielleicht ist es in diesem zusammenhang nicht verwunderlich, warum die arbeit gerade in belgrad so erfolgreich war.

zum architektursommer 2006 und 2009 wurden jeweils zwei größere arbeiten realisiert, die aus mehreren kleinen arbeiten bestanden. zum einen beschäftigte sich das kollektiv mit der semiotischen ebene der stadt und baute eine interaktive medieninstalation „stadtzeichen“ auf, sowie eine weitere instalation „captured“, in der die neue strategie der bewegungsprofilaufzeichnung zur überwachung des öffentlichen raums spielerisch erforscht werden konnte. dazu gab es eine ausstelllung mit photos von orten, die teilweise offensichtlich, teilweise unterschwellig als zeichen fungieren bzw. zeichen beinhalten und so ihre eigene geschichte erzählen. die photos gehen zurück auf psychogeografische spaziergänge von karsten michael drohsel in verschiedenen deutschen und europäischen städten.

2009 widmete sich der gesamte werkkomplex mit dem titel „sub/ob“, der frage nach dem verhältnis zwischen subjekt und objekt, wobei das besondere interesse hier auf die architektur und stadtplanung gerichtet war. gemeinsam wurden verschiedene felder der urbanismusforschung gestreift, aber auch die veränderlichkeit und beliebigkeit von architekturen hinterfragt. so wurde der grundriss der ausstellenden galerie spiegelverkehrt in den öffentlichen raum kopiert und kreide zum verändern der linien beigelegt. darüber hinaus wurden einige theoretische arbeiten vorgestellt, für die es teilweise schon prototypen-modelle gab. spiritus rector war jean baudrillard und hier besonders der aufsatz „architektur und wahrheit“ von 1999.

ein besonderes modell soll hier kurz vorgestellt werden: die installation „whowatcheswho3“. „Die Installation WWWho3 besteht aus einem Computer, div. Lautsprechern und einer Video‐Kamera, die den Ausstellungsraum filmt und die Daten an den Computer sendet. Der Computer sendet die grafischen Daten des gefilmten Materials an zwei unabhängige Videoprojektionen in zwei verschiedenen Räumen, sodass der Aufbau das Beobachten und Interagieren der Besucher ermöglicht. Einer der beiden Räume ist mit wenig Interieur und einer Projektionsfläche an der Wand ausgestattet, die mit einem Fensterrahmen umrahmt ist. Im zweiten Raum steht ein Modell des Ausstellungsraumes in dem die Kamera positioniert ist. Diesen Raum kann man im Modell durch eine Fensteröffnung betrachten und sieht die Besucher des Raumes, die auf einem kleinen Bildschirm im Modell erscheinen. Eine kleine Kamera im Modell nimmt das betrachtende Auge auf und überträgt das Videobild zurück in den ersten Raum, wo es stark vergrößert in den Fensterausschnitt projiziert wird. Allein durch das Vertauschen des Maßstabs wird in der Arbeit WWWho3 die Realität zur Fiktion. „Für das Auge und für den Intellekt ist das ein geistiger Raum der Verführung. […] Diese Form der Illusion ist beabsichtigt: Sie ermöglicht durch die Destabilisierung der Wahrnehmung das Erzeugen eines geistigen Raumes und das Einführen einer Szenerie, eines szenischen Raumes“3 Um etwas sehen zu können, um am Spektakel zu partizipieren ist es notwendig sich zu zeigen. „Diese Fähigkeit, präsent zu sein und sich gleichzeitig unsichtbar zu machen, scheint mir eine grundlegende Eigenschaft zu sein. Denn es ist diese Form geheimer (Un)sichtbarkeit, könnte man sagen, die die Hegemonie der Sichtbarkeit höchst effizient herausfordert, diese Diktatur der Transparenz, in der sich alles sichtbar und dechiffrierbar machen muß, in der das ganze Problem darin besteht, den geistigen und visuellen Raum in Besitz zu nehmen, der dann nicht mehr der Raum des Sehens ist, sondern der Raum des Sichtbarmachens.“ Doch vorsicht! Ist das Modell wirklich die originäre Abbildung des Raumes in dem der Betrachter steht?

weitere arbeiten, wie z.b den city generator, der sich mit der vergänglichkeit von stadtplanung auseinadersetzt oder der formgeber, der ausgehend von einem typisierten formenrepertoire moderner architektur selbst architektonische formen generiert und diese in eine datenbank abspeichert aus der immer wieder neue, beliebige formen generiert werden, können auf der webseite des kollektivs angeschaut werden. teilweise gibt es verlinkte videos, die die arbeitsweise der installationen verdeutlichen.

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