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the city and you – die virtuelle stadt teil 3 TALK TO ME
18. August 2011, 05:46
Filed under: themenwoche


das dritte beispiel führt uns auf einen besuch in das new yorker moma. in der aktuell laufenden ausstellung „talk to me – how objects communicate with subjects“ gehen die kuratoren der frage nach, wie objekte mit subjekten kommunizieren, wie subjekte mit objekten interagieren können.

ein teil der ausstellung widmet sich explizit dem thema stadt und wie unsichtbare datenströme einer stadt sicht- und nachvollziehbar gestaltet werden können. deutlich wird aber auch der bedarf an interaktionsmöglichkeiten, teilweise zum überleben in der stadt, teilweise zum überleben der stadt: „Because of its density and complex infrastructures and systems, the city relies on communication for its own sheer survival. It is an environment of continuous negotiation and navigation, based on codes of behavior that are timeless—the basic laws of human cohabitation—but often unwritten. Rather, these codes demand relentless adaptation and renewal. Politicians are certainly responsible for this delicate, dynamic balance, as are the engineers, experts, and consultants they rely on, but the responsibility lies first and foremost with citizens.“ im kern sehen wir auch hier wieder, was auch schon thema der „blogging the city“ konferenz war und in der stadtbauwelt thematisiert wurde, das verhältnis der administration gegenüber den bürgern, wenn es um verhandlungen um zuständigkeiten geht oder die partizipation an verfahren. immer häufiger kommen die wichtigen impulse nicht mehr aus der politik, sondern aus gestalterischen disziplinen, die sich politisieren oder von bürgern.

die ausgestelleten arbeiten nehmen die herausforderung des politischen gestaltens an und entwickeln modelle und tools, die traditionell eher aufgabe der planung wären. häufig separiert von der planerischen disziplin, was mir offen gestanden eher sorgen bereitet, als zuversicht beschert. das hängt vor allem mit unterschiedlichen denk- und herangehensweisen zusammen, die z.b. einen designer von einer planerin unterscheidet. wird auch gerade über das urban design versucht eine schnittmenge zu bilden, konzentriert sich der studiengang, obwohl er design im titel trägt, eher mit der traditionellen planung und gestaltung, als mit einem wirklichen design. das sind manchmal marginale unterschiede, doch die, so finde ich, machen es letztendlich aus. design geht für mich weiter als gestaltung, doch das kann diskutiert werden. trotz alledem hatte ich eine große freude an den vorgestellten projekten und kam, als alter freund der gelungenen darstellung mit den vorgestellten dataflows voll auf meine kosten. (für fetischisten von data flows sei die mittlerweile zweiteilige bibel aus dem gestalten verlag empfohlen ->)

auf der webseite der ausstellung sind die einzelnen projekte ausführlich aufgelistet. scrollt man sich durch die liste begegnet man einer bunten mischung an großen und kleinen projekten und humorvollen interventionen, die sich intensiv mit dem thema kommunikation, partizipation und dienstleistung, aber auch mit performativität auseinandersetzen. aram bartholl aus berlin ist mit seinen dead drops ebenso vertreten, wie der city ticket automat, an dem parktikets gezogen, aber auch probleme und defekte berichtet und beschwerden abgegeben werden können. der automat erfüllt so das, was next hamburg über eine smartphone-app löst. einzig, dass am automaten die zugänglichkeit zu diesem service noch mehr menschen offensteht, also auch denjenigen, die kein smartphone besitzen.

was mir an der ausstellung besonders gut gefallen hat, ist, dass hier die kommunikation nicht nur in form interaktiver services und eingang in die erweiterte realität der raumes via smartphones diskutiert wird, sondern auch die sinnliche komponente der stadt, die ja ebenfalls mit uns kommuniziert oder uns kommunizieren lässt, betrachtet wird. eines meiner absoluten lieblingsprojekte kommt auch aus berlin und wurde dort schon häufig innerhalb verschiedener größerer projekte vorgestellt (ich plädiere für eine retrospektive!!!). sissel tolaas ist eine berliner geruchsforscherin und künstlerin, die sich mit dem geruch von wohnungen, häusern, stadtteilen und ganzen städten beschäftigt. sie hat im rahmen ihrer „city-smell-research“ einen berlin-duft erfunden, der die typischen berliner straßengerüche zu einem parfüm verdichtet: aus einem interview im magazin der stern: „Sie haben viele eigene Düfte entwickelt. Einer von ihnen heißt „Northsoutheastwest“ – Anderthalb Jahre wanderte ich durch vier Bezirke Berlins, fragte die Leute nach ihren olfaktorischen Assoziationen und sammelte dann die Gerüche ein. Also Polyester, Müllabfuhr und Kebab-Buden in Neukölln, Sonnenstudios und McDonald’s in Reinickendorf, Schuhgeschäfte in Mitte, Geld und Seife in Charlottenburg. Am Ende vereinte ich die vier Himmelsrichtungen Berlins in Flakons und gab das Ergebnis an 15 Kosmetikagenturen mit der Bitte um Beschreibung. „Köstlich“, „belebend“, „sprudelnd frisch“ – solche Attribute entdeckten die PR-Profis in der Berliner Luft.“

diese arbeit ist jedoch keine neue erfindung, wie werner bischoff in „nicht-visuelle dimensionen des städtischen“ beschreibt. schon „im Sinne der Miasmalehre ging man davon aus, dass bei Aufnahme der übelriechenden Miasmen – seien sie nun direkt aus der Luft oder über den Boden – das labile organische Gleichgewicht erschüttert werde und der gesamte menschliche Organismus von Krankheit und Tod bedroht sei. Gerüche und Krankheit wurden quasi gleichbedeutend thematisiert; gemäß dieser Logik wurde auch eine heilungsbezogene Verwendung von Gerüchen kultiviert […]. „So wurde bei der großen Pest von Avignon im Jahre 1348 – neben dem Rat zur Flucht – empfohlen, Feuer zu legen, die eine noch reinigendere und luftverbesserndere Funktion haben sollen, wenn sie mit duftenden Essenzen angereichert sind.“  in dieser zeit, so andreas habel, soziologe an der tu berlin, wurden geruchskarten von städten angelegt, um die gebiete der pest zu kartieren. gleichzeitig wird das parfum erfunden, damit sich die herrschaften der gesellschaft mit wohlriechenden und dufttenden körpern als besonders gesund und rein darstellen konnten. doch das ist ein anderes feld und eine extra-serie über die sinnlichkeit der stadt wert (nur noch ein hinwies: siehe dazu auch u-deur, der duft des alexanderplatz).

summa, wer es noch schafft und gerade in new york ist, sollte sich die ausstellung unbedingt ansehen. sie eröffnet viele zugänge zu kommunikationsvorgängen zwischen dem objekt stadt und dem subjekt mensch. bisweilen werden die objekte auch zu aktanten, was dann besonders spannend ist, da die ebene der semiotik dazukommt.

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