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the city and you – die virtuelle stadt teil 2 STADTBAUWELT
17. August 2011, 05:34
Filed under: themenwoche


kurz nach der konferenz erschien die neue stadtbauwelt zur virtuellen stadt. das team um brigitte schultz hat in dieser ausgabe einen umfassenden einstieg in das thema der virtuellen möglichkeiten sich einer stadt zu nähern, in einer stadt zu sein, eine stadt als spielfeld zu nutzen. durch die möglichkeit in einen viertuellen raum abzutauchen und diesen mit dem realen raum zu kombinieren, ihn in den stadtkörper zu integrieren entstehen neue räume, die sich mit interessanten inhalten füllen lassen.

wie im letzten teil beschrieben beschäftigt sich stefan höffken mit der „kartierungs-revolution“ und der demokratisierung der „gottesperspektive“ (siehe hierzu auch seine arbeit in der grauen reihe des isr berlin ->). jeder, der zugang zum internet hat, kann sich digitale karten der erde ansehen und seine eigenen inhalte hinterlegen. so entstehen z.b. über google maps manigfaltige karten zu ganz unterschiedlichen themen. doch auch hier gibt es große unterschiede, während karten, die die nächste tischtennisplatte oder das beste italienische restaurant der stadt anzeigen eher harmlos sind entfacht die diskussion um karten wie „crime mapping“ oder „rotten neighbor“, also karten die zu einer starken und einseitigen repräsentation des ortes führen können und dadurch negative effekte hervorrufen, immer wieder. zu recht, wie ich meine, konnte ich gerade letzte woche in new york live im fernsehen den umgang mit einem offensichtlich pädophilen mann verfolgen, der in eine bessere wohngegend im battery park district gezogen ist. bei allem respekt vor der vielleicht sogar begründeten sorge aufgebrachter eltern möchte ich solche zustände in deutschland nicht haben. da müssen wir einen anderen umgang finden. was sich an dem vorangegangenen beispiel aber gut erkennen lässt, ist die relevanz solcher karten und die relevanz einer diskussion um virtuelle medien, denn diese medien besitzen eine nicht mehr zu unterschätzende macht. da sie virtuell und daher zum einen nicht für jeden zugänglich oder zum anderen nicht von jedem auffindbar sind, brauchen wir hier einen vernünftigen umgang mit dem medium.

weitere artikel der stadtbauwelt handeln zum beispiel über augemented reality und die augenscheinliche erweiterung der realität in der stadtplanung. peter zeile ebenfalls cpe der tu kaiserslautern arbeite an diesem thema und hat einen artikel geschrieben in dem er zum einen verschiedene möglichkeiten von ar-anwendungen aufzeigt, und die momentanen möglichkeiten, aber auch grenzen diskutiert. stefan höffken und ich denken schon seit längerem darüber nach, wie ar-tools in partizipationsprozessen angewendet werden können, also wie augmented reality aus der reinen informationsebene über z.b. historische schichten einer stadt bzw. über baumaßnahmen, die nicht realisiert wurden (gesehen für new york city), um einen tatsächlichen nutzen für die planung zu generieren. hier steht die entwicklung erst am anfang, verspricht aber großes potential.

in der vorliegenden ausgabe der stadtbauwelt hat sich die redaktion noch ein special einfallen lassen: ein tutorial. das tutorial leitet schritt für schritt an einen bauwelt-würfel zu programmieren, der dann geolokalisiert über das smartphone sichtbar wird. vielleicht kann der würfel auch in einem der digitalen stadtspiele angewendet werden, die in dem magazin vorgestellt werden. spiele dienen nicht nur dem vergnügen in der stadt, sonder bieten quasi nebenbei einen großen lerneffekt über städtebauliche situationen, sowie die organisation und möglichkeiten in einer stadt. auch hier gibt es mittlerweile hybriden zwischen realität und virtuellen räumen, in denen sich die spielfiguren teils als avatare, teils als reale personen bewegen und mit anderen spielern interagieren. oswald devisch geht noch einen schritt weiter und stellt die frage „sollen stadtplaner computerspiele spielen?“ hier soll auch verwiesen sein auf das buch „space time play“ von borries und böttger.

einer meiner lieblingsartikel dieser ausgabe ist von verena pfeiffer und beschreibt die stadt als bühne für handlungen in wechselwirkung mit realer und virtueller welt. sie thematisiert die art und weise des diskurses, der v.a. in verwaltungen gerade geführt wird, die sich, zumindest momentan, größtenteils der entwicklung verweigern. hauptargument ist, dass durch die verlagerung von angeboten in den virtuellen raum der reale raum einen bedeutungsverlust, vor allem von räumlichen standortfaktoren erleiden würde. dies widerlegt sie mit der beschreibung einiger fälle, wo die bürger eben genau diese plattformen nutzen, um sich ihrer stimme gehör zu verschaffen; stuttgart 21 soll hier nur als ein beispiel genannt werden. stadtgestalter, so schreibt sie „mischen sich in der regel unaufgefordert ein und können, wie in stuttgart, sogar politische machtverhältnisse verschieben.“ in einem größeren zuschnitt konnte dies eindrucksvoll in der sogenannten „twitter-revolution“ beobachtet werden. digitale medien haben macht und bauen diese immer weiter aus. zeit für die kommunen aufzuwachen und der mitsprache ihrer bürger einen platz einzuräumen, bevor die ihnen den platz räumen.

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