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florenz ohne baedeker teil 2 – sehenswürdigkeiten
4. Juli 2011, 01:15
Filed under: totoisye | Schlagwörter: ,

reiseführer nehmen dem reisenden, der in diesem falle tourist heißen muss, also muss auch der reiseführer touristenführer heißen, die verantwortung ab, die stadt auf eigene faust zu entdecken. die möglichkeiten heutzutage sind vielfältig und viele menschen nutzen mittlerweile selbstverständlich navigationssysteme, google streetview und maps, sowie andere medien, um am zielort keine überraschungen zu erleben. es hat den anschein, als ginge es um ein versprechen, das bei der vorbereitung einer reise abgerungen wird, dass dann am zielort eingelöst werden muss.

reiseführer nehmen etwas vorweg. sie definieren sehenswürdigkeiten und schaffen bilder einer stadt, die diese sog. sehenswürdigkeiten zwar auch hat, darüber hinaus jedoch eine ganze menge mehr. vor allem den zwischenraum zwischen den sehenswürdigkeiten, der für viele meist nicht so sehenswert ist.

doch gerade hier lassen sich großartige entdeckungen machen, eigene sehenswürdigkeiten ergründen, die anlage von räumen und städten studieren, blickachsen erkunden, das wesen der stadt erobern.

wer also hat die deutungshoheit, was eine sehenswürdigkeit ist? was ist eine sehenswürdigkeit? geht die definition nach frequenz?

wenn jeder blick, jedes bild, jede postkarte, die von einer sehenswürdigkeit verschickt wird ein pixel der sehenswürdigkeit kosten würde (photos mit blitz zwei) dann gäbe es keinen eiffelturm, keine niagara fälle, kein brandenburger tor mehr. sie alle wären verschwunden und es müssten neue sehenswürdigkeiten gebaut oder definiert werden.

vielleicht ist die definition von sehenswürdigkeiten auch abhängig von deren verfügbarkeit. ein eiffelturm steht schon seit 150 jahren am selben platz. st. michael in hildesheim schon seit 1000. sie sind permanente zeugen, die etwas aus vergangenen zeiten berichten, eine geschichte erzählen, die wir erst entschlüsseln müssen, deren sprache wir erst lernen und sprechen müssen.

tourismus ist eine gleichmachende sprache. eine art rudimentäres esperanto, das sich auf ahh und ohh oder mhh beschränkt. vielen bleibt und reicht nur das. diese menschen haben für die poesie des moments, die flüchtigen sehenswürdigkeiten, wenn ein papier vom wind über die straße getragen wird, wenn zwei marktfrauen in saint germain sich streiten, der geschmack des earl grey tee im cafè de flore, dem geruch der stritzel-bäckerei oder von fenuta in nürnberg, eine unterhaltung im dialekt in stuttgart oder einer wandzeichnung in berlin nichts übrig. die städte verlieren dadurch ihre sinnlichkeit und ihre eigenheit.

der tourist macht all dies fest an dem im touristenführer angekündigten versprechen und sucht nach deren einlösung. ist das photo, das auch schon auf die gleiche weise im touristenführer abgebildet ist, aus dem gleichen winkel auf dem eigenen film oder der speicherkarte abgelegt, meint er, er hätte die stadt bereist.

viel richtiger wäre, er hat die stadt benutzt, zeugenschaft seines falsch verstandenen kosmopoitismus abzulegen. genauer gesagt musste man behaupten er war nie dort. dieses bild (jagen und sammeln) gibt es millionenfach. über das internet kann jeder „vor ort“ gewesen sein. um dieses bild zu machen braucht es kein vor-ort-sein mehr.

letztens habe ich einen photoband eines künstlers gesehen, der aussschließlich in google streetview reist. selbst er hat bessere sehenswürdigkeiten entdeckt. zudem hat er die stadt nicht benutzt. er benutzt das medium, um die welt im wahrsten sinne zu bereisen.

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