stadtstadtstadt


unterm notdach
23. Juni 2011, 18:30
Filed under: totoisye | Schlagwörter:

b20110623 selten hat mich ein photo von berlin so berührt, wie das des blicks durch den tiergarten, 1945 von fritz eschen aufgenommen. dieses bild zeigt eine zerbombte stadt, einen ruinösen reichstag, das friedenstor ausgebrannt, den tiergarten abgeholzt. all die wunden, die in berlin immer noch spürbar sind, trotz, oder gerade wegen der vehemenz die spuren der vergangenheit wegzusanieren (wie es z.b. gerade in der kleinen hamburger straße passiert) oder, meist unglücklich, auf geschmacksmuster an „so war das damals“ reduziert, werden in diesem bild verdichtet. stellvertretend für eine gesamte stadt, eine zeit, einen zeitgeist. in diesem bild wird etwas sichtbar und die wände des postfuhramtes beginnen ihre schmerzen über den betrachter auszugießen, es wird laut in der galerie.

die schönheit, die berlin vor dem zweiten weltkrieg hatte, die grandezza, den glamour, den sound, wird berlin allen bemühungen zum trotz, nie wieder erlangen. wer einmal durch die chausseestraße flaniert stecke einmal neugierig den kopf in die hauseingänge und flure, auch in der bülowstraße (es muss nicht immer gleich der kudamm sein!) in den bürgerhäusern der „häßlichen“ oder unattraktiven verkehrsachsen der stadt. der wird schnell merken, von welchem berlin ich spreche. auch in steglitz gibt es um die schlossstraße noch einige häuser, vor denen man sich die augen reibt, an denen man versucht ist, am gartenzaun sich ein bischen größer zu machen, um in die zimmer hineinschauen zu können.

dieses berlin ging damals unter, mit einer bislang nicht zu anhnenden zerstörungswut und kriegerischer gewalt, die in w. g. sebalds „die ringe des saturn“ von william hazel eindrücklich beschrieben werden. er meint mit seinen ausführungen zwar primär dresden, doch, so denke ich, kann dies auch für berlin gelten. fritz eschen, der zeitzeuge, der schüchterne dokumentar dieser stadt, der, der erst langsam wieder vertrauen in die stadt und die menschen fasste, über die spielenden kinder langsam wieder an eine zukunft glaubte, war ebenso geschunden, wie die stadt in der er lebte. das sieht man den bildern deutlich an, das macht seine bilder so besonders.

 die ausstellung war bis zum 26.06.2011 im c/o berlin zu sehen.

nachtrag august 2012: interessanter weise hat sich zwischenzeitlich ergeben, dass die atelliergebäude, die utopie im monbiju park aus dem post „zwei begegnungen“, doch nicht abgerissen werden, wie im letzten post behauptet, sondern saniert und durch eben das c/o berlin künftig als ausstellungsräume genutzt werden sollen.

 

 

 

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