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zwei begegnungen
22. Juni 2011, 19:18
Filed under: totoisye | Schlagwörter:

b20110622 ich möchte hier von zwei begegnungen sprechen, die sich in den letzten tagen ergeben haben und die mich im bezug auf meine arbeit sehr beeindruckt und beeinflusst haben. die erste begegnung war die erste konsultation zur diplomarbeit bei prof. DB und die zweite begegnung hatte ich heute mit einem freund RL, den ich an die 12 jahre nicht mehr gesehen habe.

in die zukunft erinnern

ich hatte in der woche zuvor mein als exposè getarntes „ich-essay“ eingereicht, da ich mir mit der fragestellung und der methode noch nicht ganz sicher war. ich bin, schwer beeindruckt und voller hinweise und ideen wieder nach hause gekommen, gleichsam mit einem großen geschenk. ich fühle, dass DB in mir etwas erkannt hat, das ich vermutlich über das flanieren über mich selbst heraus bekommen kann. nicht anders kann ich einige hinweise und nebensätze (für solche wichtigen dinge eignen sich ausschließlich nebensätze) deuten. ich sehe noch nicht klar, doch habe ich großes vertrauen und werde mich auf diese reise begeben.

so ist das flanieren in einer für mich persönlich sehr wichtigen stadt, die letztlich auch ein teil von mir geworden ist, nicht nur ich ein teil ihrer, ein weg zu mir selbst. die frage, die mich jedoch umtreibt ist, wie kann ich daraus rückschlüsse ziehen auf das ganze, kann ich meine geschichte mit der geschichte einer stadt verbinden und kann ich als individuum für einen größeren personenkreis sprechen? kann ich gedanken verallgemeinern ohne anmaßend zu werden, kann ich die stadt lesen, wie hessel sagt, ein offenes buch, oder verliere ich mich in einer momentromantik, die dann in prosakitsch ihr ende findet?

eine große, in die zukunft gerichtete aufgabe, in der ich mich momentan nicht zurechtfinde, aber einen großen hunger auf erkenntnis spüre, eine große lust am abenteuer, eine notwendigkeit an der demarkationslinie des scheiterns entlang zu ballancieren, um am ende an einem punkt anzukommen.

heute kann ich sagen, ich befinde mich in der gegenwart

eine begegnung in die andere richtung ergab sich heute, da RL gerade in der stadt ist und wir, der zufall will es, uns unlängst zufällig am stuttgarter hauptbahnhof (beide auf der abreise nach berlin, in unterschiedlichen fahrzeugen) getroffen und noch schnell rufnummern ausgetauscht haben. nun, RL ist hier und wir haben uns im kunsthaus im monbiju-park getroffen. was dieses treffen so einzigartig macht, ist, dass wir uns nach 12 jahren das erste mal wieder richtig begegnet sind. und das in einem haus, das gleichzeitig nicht mehr und noch nicht ist, also eine utopie, die demnächst abgerissen wird, um etwas neues entstehen zu lassen.

in den 12 jahren dazwischen ist in unserem jeweiligen leben viel passiert. wir haben uns, was ich normalerweise wirklich schrecklich finde, an die vergangenen zeiten erinnert, aber auf eine art, wie ich sie bis hierhin noch nicht kannte. es ging nicht um die heldentaten aus der guten alten zeit in der rotz, blut, tränen, schweiß und äther die hauptrolle spielten, sondern es ging um die essenz von begegnungen und wegen, die sich daraus ergaben.

wir beide sind auf einen weg gekommen, der mit viel verve und auch fleiß uns beide an den heutigen punkt gebracht hat. aber dies allein ist nicht sehr spannend, spannend ist, dass ich in der erzählung und der reflektion bemerkt habe, dass ich seit ewigen zeiten intuitiv einen scheinbar vorgezeichneten weg gegangen bin. mir wurde bestätigt, dass ich an den punkten, an denen ich dachte mich am stärksten verändert zu haben, mir eigentlich nur treu geblieben bin.

hier finde ich, schließt sich der kreis zum spazieren und flanieren. beide begegnungen zusammen ergeben zwei unterschiedliche zeitschienen, die eine in die zukunft, die andere in die vergangenheit, dazwischen das subjekt, in der gegenwart des moments.

die großen flaneure, allesamt europäer, wenn nicht kosmopoliten, hatten genau dieses. sie hatten ein fundament in der geschichte und konnten darauf sicher stehend aus der gegenwart die zukunft ableiten. das erzählen, das präzise beschreiben der gegenwart hat immer etwas vergangenes und was noch nicht existentes. gegenwart ballanciert zwischen den polen des „nicht mehr und noch nicht“ und verortet sich hie und da in der stadt. etwas kann nur noch festgestellt oder gedeutet werden, etwas anderes gestaltet, produziert, forciert oder abgewartet werden.

der flaneur bewegt sich in einer aura des war, ist, wird sein und nimmt dies alles auf. er wertet nicht, lässt sich treiben zwischen der „nachlassgarderobe“, den zeichen und codes, zwischen sinfonie der großstadt und bladerunner.

zwei spannende begegnungen, eine spannende reise.

 

 

 

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