stadtstadtstadt


die neueste hamburger schule
26. Januar 2010, 19:33
Filed under: revolution oder evolution?

hamburg macht furor! gegen die bestrebungen die gesamte innenstadt und angrenzenden viertel zu gentrifizieren hat sich umfangreich protest gebildet. einige initiativen und bündnisse sind entstanden, kreative nutzungskonzepte wurden ausprobiert und eine reihe an häusern und leerstehenden gebäuden besetzt. diese aktionen waren erstaunlich erfolgreich und zwangen den senat der stadt, flankiert von der gesamten! presse, zur reaktion. erste ergebnisse sind z.b der rückkauf des gängeviertels vom investor, vereinbarungen über die nutzungsmischung und eigentumsverhältnisse bei der entwicklung von neubaukonzepten, gespräche über das „einfrieren“ des mietspiegels in v.a. strukturschwachen bezirken etc.

gestern abend fand im rahmen der montagspraxis im buchladen b_books eine veranstaltung statt, auf der sich einige akteure vorstellten und mit den gästen diskutierten. im kern ging es darum, was die voraussetzungen für diesen ungewöhnlichen protest waren, dem sich nicht nur die sog. kreative klasse hamburgs anschloss, sondern auch viele vormals unpolitische und nicht protest-erprobte bürger. da es an mehreren stellen in hamburg bedarf an widerstand gab formierten sich überall unzählige kleine gruppen, die mittlerweile im bündnis „recht auf stadt“ vernetzt sind.

was für den einen ein segen, ist für den anderen eher ein fluch. immer mehr hochspezialisierte verbindungen (apfelbaum braucht wurzelraum, schrebergartenspacken etc.) wollen sich in die gemeinsame arbeit einbringen und ihre eigenen interessen flankieren. die speerspitze der protestbewegung ist mit dieser dynamik gänzlich überfordert und reagiert nun mit der anwendung höchst individueller beteiligungsregeln. hier zeigt sich relativ deutlich, dass es hierarchien gibt, die mit den scheinbar gemeinsamen zielen nicht überwunden werden können. im lauf der diskussion kam der verdacht auf, dass es, obwohl immer die gemeinsame arbeit und der gemeinsinn der ziele betont wurde, innerhalb der gruppe starke spannungen gibt, die überwunden werden müssen damit sie letztlich nicht zur spaltung führen.

ich selbst bin gestern sehr ernüchtert nach hause gefahren, da in hamburg die „magie des ersten augenblicks“ zu versiegen scheint und es fraglich ist, ob ein bündnis, das öffentlichkeit und urbanität will, selbst aber gruppen die „irgendwie so anders“ sind ausschließt, die dynamik und kraft solcher prozesse in den revolutionären alltag retten kann. fraglich ist auch, ob die initiatoren dauerhaft mit der kritik umgehen können, nicht selbst ein teil einer alternativen gentrifizierungswelle zu sein, durch die diese orte attraktiv werden und irgendwann später zum „must see“ in die reiseführer hamburgs eingehen.

trotz aller kritik, die natürlich auch für initiativen in anderen städten gilt, sind die vorgestellten projekte hochinteressant und sollten unbedingt beachtet werden. wer sich weitergehend interessiert kann sich unter den folgenden links informieren.

p.s. die hamburger kollegen fragten gestern nach mediaspree. keiner der anwesenden wusste etwas aktuelles, das fand ich ebenso bezeichnend.

weiterführend: frappant II es regnet kaviar und auf ststst II komm in die gänge II sehenswerter film über die auswirkungen von investorenplanung: st. pauli empire II und für die berliner kollegen mediaspree versenken II

notiz an mich selbst: etwas über die creative class lernen und ggf. feindbilder aufbauen mit richard florida kmd/ststst

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